Hier war ich noch ganz in der Nähe von Waltershausen und fuhr auf Mechterstädt zu. Über Eisenach, das ich nach einer Stunde erreichte, ging es dann entlang der Werra weiter.
Die Autobahnbrücke bei Hörschel. Oben Geschwindigkeitsbeschränkung, unten imposant.
Erste Rast in Herleshausen. Ich sollte an diesem Tag noch durch viele schöne Fachwerk-Städchen kommen. In Herleshausen begegnete mir eine Familie mit zwei kleinen Kindern, und das ältere wollte: "Der soll doch 'mal fahren!" . Als ich meinen Riegel gegessen hatte, holte ich sie ein und machte ihm so die Freude.
Entlang der Werra wird Salz abgebaut, daher die Lore mit dem bergmännischen Gruß. Und bergauf ging es dann auch, als ich bei Hönebach das Werratal Richtung Bebra verließ. Es sollte für diesen Tag auch nicht das letzte Mal sein, jedenfalls kann ich behaupten, dass ich alle Ritzel gebraucht habe.
In Bebra gab's dann Mittag bei einem amerikanischen Schnellrestaurant schottischer Abstammung. Nun hieß mein Begleitfluß Fulda und bei strahlendem Sonnenschein ging es ein Stück an diesem Fluß entlang nach Nordwesten.
Wieder ein besonderes Fachwerkhaus, in Der Nähe von Rotenburg an der Fulda. In Beiseförth überquerte ich den Fluß.
Die Leute in Dagobertshausen sind sicher nicht sehr gut auf Walt Disney zu sprechen. Vielleicht haben sie ja auch als Strafe für all die dummen Witze eine solche fiese Steigung vor ihrem Dorf aufgebaut. Jedenfalls musste ich mich meiner inzwischen zu warm gewordenen Jacke entledigen, um sie zu schaffen. Schieben wäre aber auch keine Alternative gewesen.
Hinter Dagobertshausen kam bis Bad Zwesten eine hügelige Hochebene, überspannt von einem tollen Himmel mit dramatischen Wolkenformationen. Hinter Bad Zwesten verfuhr ich mich kurz, fand dann aber doch noch die richtige Strecke. Allmählich wurde es Nacht, und in Bergfreiheit, wo gerade ein Monstertruck-Usergroup-Treffen stattfand (warum fahren die Leute eigentlich nicht gleich Panzer? Ach ja, keine Möglichkeit, den Fuchsschwanz anzubringen...), machte ich mich nachtfein: Jacke an, Reflektoren an, Weihnachtsbaum ... äh, Fahrradbeleuchtungsanlage an.
Woran liegt es eigentlich, dass Steigungen in der Nacht steiler sind als am Tag? Jedenfalls kam es mir bis Gemünden so vor. Dort stand dann endlich das ersehnte Schild: "Frankenberg 18 km". Natürlich keine flachen 18 km!
In Frankenberg fand ich dann mit Hilfe der örtlichen Jugend das Hotel Sonne, dort den für mich im Blumenkasten hinterlegten Zimmerschlüssel, genau gegenüber einen Italiener und endlich ein Bett.
Statistik des Tages:
Zeit: 10:09:29
Distanz: 185,60 km
Ø Geschw.: 18,2 km/h
max. Geschw.: 69,2 km/h (das war aber auch ein Gefälle!)
Der Höhepunkt der Tour in Mollseifen.
Und das ist seine Höhe.
Und bald darauf in Hoheleye ...
... war ich nur wenig höher.
Das Problem sind nur die Täler dazwischen.
Nein, Scherz beiseite, der 15. März war ein anstrengender Tag in einer Gegend, die ihren Namen nicht ganz umsonst trägt. Ich hätte nicht gedacht, dass das Hochsauerland und Rothaargebirge (sic!) so profiliert sind.
Das Wetter war kühl und bedeckt, aber bis auf zwei, drei Tropfen habe ich nichts abgekriegt. Aus Frankenberg heraus ging es Richtung Somplar, Hallenberg und Züschen.
An der Strecke: Auf welcher Sitzgelegenheit würden sie gerne Platz nehmen?
Von Züschen nach Mollseifen kam dann eine Steigungsstrecke ganz ähnlich wie der Aufstieg zum Rennsteig von Ruhla aus. Anschließend eine Schlittenfahrt ins Tal, fast hätte ich den Abzweig nach Hoheleye verpasst, in Marburg hätte ich's dann vielleicht bemerkt. Auf dem Anstieg nach Hoheleye dann typische Hochsauerland-Stimmung mit krächzenden Rabenvögeln und pfeifendem kalten Wind (von hinten, kühlt einen auch nicht, wenn man mit 5 km/h einen Anstieg hochkriecht). In Hoheleye ging es dann auf die Hochsauerland-Höhenstrasse, und das Gröbste war geschafft. Auf dem Weg nach Schmallenberg dann dieser Ausblick:
Dieses Tal hinunter führte nun die Strasse mit vielen Serpentinen. Immer wieder wurde ich von riesigen Langholztransportern überholt, die Fahrer waren aber allesamt sehr rücksichtsvoll und sich der Ausmasse ihrer Ungetüme bewußt. Der übrige Verkehr nahm auch zu, besonders auf der Strecke von Schmallenberg über Ödingen und Elspe (dort gibt es auch Karl May-Festspiele, einen Kalkfelsen wie in Segeberg scheinen sie aber nicht zu haben) nach Grevenbrück. In diesem Ort habe ich das schon zur Tradition gewordene tägliche Verfahren zelebriert, als mir mein GPS-Handy anzeigte, ich sei auf Südkurs, bin ich allerdings nach Grevenbrück zurück gefahren und konnte aus dieser Richtung auch sehen, dass ich an der ersten Kreuzung einfach hätte geradeaus fahren sollen.
So langsam machten sich die Steigungen des Tages mit schmerzenden Knieen bemerkbar und es wurde später Nachmittag, als ich Plettenberg erreichte. Es war abzusehen, dass ich auf zwei Rädern heute Düsseldorf nicht mehr erreichen würde, und so bin ich dort in den Zug gestiegen. Mit einem Umsteigen in Hagen war ich dann letztlich 19:20 Uhr an meinem Zielort. Was ich aus der Bahn vom Verkehr in Wuppertal und Düsseldorf gesehen habe, erweckte nicht unbedingt den Wunsch, da mitmischen zu wollen.
Im ersten Zug traf ich einen anderen Radler und erfuhr im Gespräch mit ihm, dass ich mir für meine Route zwar den direkten Weg, aber auch den mit den meisten Steigungen ausgesucht hatte: "Ach, da fahren wir immer mit dem Motorrad entlang, das ist eine schöne Strecke. Aber das hat einen Motor... ". Ortskenntnis ist eben durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch eine von einem Routenplaner errechnete Strecke. Doch auch so habe ich gelernt, dass man mit dem beladenen Liegerad Düsseldorf von Waltershausen in drei, nicht in zwei Tagen erreichen kann.
In den folgenden Tagen wurde es in Düsseldorf dann mondän mit Kongress, Kollegen und Kö, statt Kettenöl, Schweiß und Liegerad-Grinsen.
Die Statistik des Tages:
Zeit: 6:41:35
Distanz: 111,38 km
Ø Geschw.: 16,6 km/h
max. Geschw.: 56,0 km/h
So hatten also die Windkraftanlagen, hier hinter Alsfeld, mehr zu tun und ich weniger. Ich hatte praktisch die ganze Strecke Schiebewind. So 'was ist in einem Radfahrerleben nicht so häufig!
Der richtige Weg aus Marburg heraus war gar nicht so einfach zu finden, er führte mich am Botanischen Garten und den wissenschaftlichen Instituten auf den Marburg umgebenden Hügeln vorbei Richtung Kirchhain. Dort wollte ich auf die B62, aber leider war sie dort als Schnellstrasse ausgewiesen. Also habe ich einen Umweg über Amöneburg gemacht. Dieser Ort liegt auf dem einzigen Berg in der Gegend und hat zwei Zufahrten, beide waren für mich in der falschen Richtung, denn ich wollte weiter nach Alsfeld und dort wieder auf die B62. Schließlich fragte ich in Amöneburg einen Postboten und älteren Bewohner nach dem Weg, den sie mir auch sehr nett zeigten. Der ältere Mann wollte gar nicht glauben, dass mein Liegerad keinen Motor hätte und schaute extra noch 'mal nach...
Mit ihren Angaben kam ich dann schon in Niederklein wieder auf die B62 und ins Gleenetal. Hier bin ich eine Weile auf dem weit von der Strasse abgesetzten Radweg gefahren:
Eine gleene Brücke auf dem Gleenetal-Radweg.
Schließlich bog dieser Radweg allerdings in die Pampa ab, und ab Ober-Gleen ging es auf der Strasse weiter. Mittagessen gab es bei einem Dorfbäcker in Leusel, einmal durch die Auslage-Theke, Hauptsache Kohlehydrate.
Hinter Alsfeld kreuzte ich dann nacheinander die A5, die A7 und die A4, um schließlich nach Bad Hersfeld zu kommen. Auch hier war ein Umweg durch die Stadt fällig, weil die entscheidende Strasse für Radfahrer gesperrt war. Schließlich fand ich aber doch Richtung Bad Salzungen heraus und konnte eine Zeit lang wieder auf einem sehr schönen, von der Strasse abgesetzten Radweg fahren. Wenn auf diese Weise Wirtschaftswege, die parallel zur Strasse laufen, genutzt werden, hat das eigentlich nur Vorteile, aber ich habe an diesem Tag auch viele Negativbeispiele für deutschen Radwegebau kennengelernt. Es ist teilweise eine Zumutung, was man an Streckenführung, Belag und Beschilderung geboten bekommt!
Nachdem ich Friedewald durchfahren hatte, ging es lange Zeit in unmittelbarer Nähe zur A4 durch den Wald, und immer noch hoch, über die Wasserscheide zwischen Fulda und Werra. Nachdem ich darüber hinweg war, schloß sich der Kreis für mich und ich erreichte die Stelle, an der ich auf der Hinfahrt nach Bebra abgebogen war. Ab hier nur noch bergab und Rückenwind!
Auf diesem letzten Stück hätte ich mir einen Spinnaker gewünscht, aber auch so war das "Segeln vorm Wind" schon berauschend genug. Eine kleine Pause für's Abendbrot in Herleshausen und dann mit Vollzeug weiter über Eisenach nach hause. Es war ein toller Tag und eine schöne Tour, schade nur, dass sie schon zuende war. Aber ...
... was immer auch kommen mag, morgen ist ein neuer Tag.
Die Statitik des Tages:
Zeit: 10:42:23
Distanz: 197,93 km
Ø Geschw.: 18,4 km/h
max. Geschw.: 70,1 km/h
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